Bijou_der vereinigten Freunde an der Nahe

Geschichtlicher Abriss

Andreas van Recum (1765 – 1828), Subpräfekt und Weingutsbesitzer, Gründer und
MvSt. der Loge „Les amis réunis de la Nahe et du Rhin“ zu Creutznach.

Die Johannisloge „Die vereinigten Freunde an der Nahe“ in Bad Kreuznach hatte eine Vorgängerin in der unter dem Grand Orient de France von 12. Oktober 1809 bis 29. Oktober 1814 arbeitenden Loge „Les amis réunis de la Nahe et du Rhin“.

Mit der Wahl ihres jetzigen Namens brachte man zum Ausdruck, sich als Nachfolgerin dieser früheren Loge zu betrachten. Dies umso mehr, als sie zu ihren Mitgliedern Kreuznacher Brüder zählen durfte, die bereits in napoleonischer Zeit zur Freimaurerei gefunden hatten. So auch Br. Franz Sebastian Potthof (1784-1864).

Sein Sohn Franz Josef Potthof (1819-1868) gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Loge und war Ehrenmitglied der Johannisloge „Zum flammenden Stern“ in Berlin. Das älteste noch heute vorhandene Dokument gibt hierüber Auskunft. Unter Einbezug dieser Vorgeschichte ergibt sich, dass die heutige Loge im Jahre 2026 auf ein Alter von annähernd 220 Jahren zurückblicken darf.

Auf Initiative des Buchhändlers Voigtländer und des Könglichen Kreisbauinspektors Karl Conradi kam es am 22. März 1858, angelegentlich der Geburtstagsfeier des damaligen Prinzen von Preußen und späteren Königs und Kaisers Wilhelm I., zur Gründung der heute noch bestehenden Loge als Tochterloge der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“.

Die Loge arbeitete zunächst in den Räumen der Casino-Gesellschaft zu Bad Kreuznach. Das damalige Haus steht heute noch und beherbergt Teile der Stadtverwaltung. Die Wahl des Hauses war daraus zu erklären, dass die Gründer der Loge vornehmlich aus dem Mitgliederkreis der Casino-Gesellschaft stammten. Später erwarb die Loge ein eigenes Grundstück im Brückes Nr. 30 und errichtete auf ihm ein Logengebäude,welches sie bis zum Jahre 1914 benutzte.

Am Brückes - Einweihung 6. September 1863
Am Brückes – Einweihung 6. September 1863

Ihre Entwicklung im ersten halben Jahrhundert schwankte zwischen reger Tätigkeit und zeitweiser, meist auf wirtschaftlichen Schwierigkeiten beruhender, Resignation.

Von der Jahrhundertwende 1900 ab nahm die Zahl der Mitglieder jedoch erheblich zu und es gehörte bald zum „guten Ton“, dass die Kreuznacher Brüder sowohl Mitglieder der Loge als auch der Casino-Gesellschaft waren. Um 1908 führte das Mitgliederverzeichnis fast 100 Namen. 

Die Loge war in dieser Zeit auf karitativem Gebiet sehr aktiv.

So ist die Kreuznacher Kinderrehabilitationsklinik „Viktoria-Stift“ eine freimaurische Stiftung, und auch die „Wenzel-Stiftung“ wurde von der Loge im Zusammenhang mit einem Unterstützungsfond für Witwen und Waisen begründet. 

Der Ankauf der Ebernburg, der „Herberge der Gerechtigkeit“ Franz von Sickingens, wurde im Wesentlichen durch die Spende des Logenmitglieds Kommerzienrat Theodor Simon ermöglicht. 

Unter dem langjährigen Logenvorsitzenden Br. Karl Aschoff (1905-1928) erlebte die Loge einen stetigen Aufschwung.

Sie war in dieser Zeit eine der führenden Bauhütten im Westen. Nach außen hin trat sie auch durch Vorträge und musikalische Veranstaltungen mit namhaften Künstlern häufig in Erscheinung. Bis zum 1. Weltkrieg war sie Sammelpunkt führender Männer des Gebiets, soweit sie sich zu einer freien, undogmatischen Denkungsart bekannten.

Weil die Absicht bestand, im Kurviertel ein neues Logenhaus zu errichten, wurde das Grundstück am Brückes 1914 verkauft. Infolge des Krieges und der Inflation konnte aber erst 1925 mit lange belastenden Kosten ein Haus in der Augustastraße erbaut werden.

Einweihung im Jahr 1925 der Loge in der Augustastraße 2
Einweihung im Jahr 1925 der Loge in der Augustastraße 2

Der aufkommenden Nationalsozialismus führte in Folge zu vielen Austritten, bis schließlich 1935 freimaurerische Tätigkeit überhaupt verboten und das Eigentum der Loge von Staats wegen eingezogen wurde. Nur getarnt durften sich die Brüder noch treffen.

Das Logenhaus diente nach dem Krieg u. a. der Rheumaklinik als Lese- und Speisesaal, heute befindet sich dort die „Loge“, ein Veranstaltungort für Kleinkunst, Kultur und Kabarett.

Erst 1949 konnte die Loge ihre Arbeit in verschiedenen Notunterkünften wieder aufnehmen. Der Neuaufbau vollzog sich unter großen äußeren und – im Zuge des Zusammenschlusses der verschiedenen freimaurerischen Richtungen zu den „Vereinigten Großlogen von Deutschland, Bruderschaft der Freimaurer“ – auch inneren Belastungen. Aber die Logenmitglieder hielten treu zu ihrer angestammten Großloge und nach Abschluss des Wiedergutmachungsverfahrens konnte am 24. Mai 1959 wieder ein eigenes Logenhaus in der Sigismundstraße 18 eingeweiht werden.

Bis zum Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Bad Kreuznach war in den Räumen der Loge auch die amerikanisch-kanadische Loge „Friedrich Wilhelm von Steuben“ zu Gast. So stellt sich der langsam wieder wachsende Kreis der Kreuznacher Freimaurer seit nunmehr 150 Jahren unbeirrbar in seiner Arbeit für Humanität und Toleranz, zuversichtlich der Zukunft.

Im September des Jahres 2010 beging die Loge im Rahmen einer freimaurerischen Morgenfeier und unter Teilnahme namhafter Personen aus Politik und Wirtschaft das Jubiläum „200 Jahre Freimaurerei in Bad Kreuznach“. Zum Jubiläum gratulierten neben Herrn Landrat Diel, Herrn Oberbürgermeister Ludwig und Herrn Dr. Vesper auch die Vertreter der Großloge, der Nationalgroßmeister Br. Hordenbach sowie die zugeordneten Nationalgroßmeister Br. (Dr.) Hasselmann und Br. Bergner. Die Veranstaltung fand erfreulicherweise in den alten Logenräumen „Die Loge“ statt. Insgesamt waren über 100 Gäste vertreten, darunter auch viele Kreuznacher Bürgerinnen und Bürger.

Im Verlauf der letzten Jahre ist die Loge in erfreulichem Maße prosperiert und hat viele neue Brüder aufnehmen können, so dass die Zahl ihrer Mitglieder auf einen mittleren zweistelligen Bereich angestiegen ist.

Pressebericht vom 29.08.2010 im „Oeffentlicher Anzeiger Kirn“

Loge feiert ihren 200. Geburtstag

Loge feiert ihren 200. Geburtstag
(C) Oeffentlicher Anzeiger Kirn, "Loge feiert ihren 200. Geburtstag", 29.08.2010, 13:46 Uhr

Zur 200 Jahrfeier waren der Großmeister der nationalen Mutterloge Karl Hordenbach (2. von links) und seine Stellvertreter Hans Hasselmann (links) und Jürgen Bergner (3. von links) von Berlin nach Bad Kreuznach gekommen um ihre Glückwünsche an Manfred Espenschied (2. von rechts) und dessen Stellvertreter Volker Müller-Späth (rechts) zu überbringen.
Josef Nürnberg Bad Kreuzhnach – 

Mit einem Festakt am Sonntagmorgen feierten die Freimaurer der Bad Kreuznacher Loge gemeinsam mit Freunden und Ehrengästen den 200. Geburtstag der Bad Kreuznacher Loge  „Die vereinigten Freunde an der Nahe“.

Während der „Freimaurerische Morgenfeier“ stand bei allen Rednern immer wieder der Toleranzbegriff im Vordergrund. „Vier Begriffe, Toleranz , Brüderlichkeit, Friedensliebe und soziale Gerechtigkeit ziehen sich wie ein Pfaden durch die 200-jährige Geschichte der Bad Kreuznacher Loge“, meinte dann auch Landrat Franz-Josef Diel. Es sei ein großer Verdienst diese Gedanken, die aus den mittelalterlichen Bauhütten entstammten, bis heute weiter getragen zu haben, so der Landrat. Gerade wo heute wieder die Dogmatisierung in allen Bereichen des Lebens auf dem Vormarsch seien, braucht die Gesellschaft diese Werte.
Diese Einschätzung teilte dann auch Manfred Espenschied, Meister vom Stuhl der Bad Kreuznacher Loge. Das neuerdings verstärkt auftretende Interesse an den Werten der Freimaurer zeige, dass manches in der Gesellschaft nicht in Ordnung sei, glaubt „Vorsitzender“ Espenschied. Defizite in Sachen Ethik und Moral sieht Espenschied in Politik und Wirtschaft, dabei seien diese Werte unumgänglich. Espenschied: „Aus diesen Umständen heraus folgere ich, dass die Freimaurerei auch in den kommenden 200 Jahren ein umfangreiches Betätigungsfeld haben wird.“

Die Geschichte der Stadt Bad Kreuznach in den vergangenen 200 Jahren sei stark von Freimaurern mitgestaltet worden, wusste OB Andreas Ludwig. Der OB erinnerte an Franz Josef Potthoff, Dr. Karl Aschoff, Robert Voigtländer oder an Andreas von Recum, den ersten Meister vom Stuhl der Bad Kreuznacher Loge, die allesamt Logenbrüder waren und die Geschicke der Kurstadt gelenkt hätten. Auf dem Höhepunkt ihrer Geschichte um 1930 waren in Bad Kreuznach 200 Personen Mitglieder der Loge, so Ludwig. „Freimaurer sind übrigens richtig nette Menschen, mit denen man gut diskutieren kann und da ist nichts Geheimbündlerisches dran“, erklärte Ludwig.

 
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